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Susanne Wehrs Werke haben mit dem Unbekannten, Namenlosen und Anonymen zu tun. Seit Jahren leistet sie eine unglaubliche analytische Arbeit, indem sie den fotografischen Bilderberg durchforstet. Sie kauft auf Flohmärkten Original-Dias aus Nachlässen auf, teilt sie danach in Kategorien und Subkategorien, wählt daraus Bilder aus, die sie hernach auf ihrer Website im Internet bekannt macht. Einen Ausschnitt aus der Kategorie Posen und Figur vor Begrenzung gibt uns Einblick in die Art der massenhaften Verwendung des Mediums Fotografie, zeigt uns die populärsten Bildkategorien aller, die einen Fotoapparat halten können, zeigt das unstillbare Interesse des Menschen, Zeit auf zumindest eine halbe Ewigkeit einfrieren zu können in Erinnerung an das, was einem lieb, teuer, interessant, bedenkenswert und sammlungsrelevant ist. Alle Dinge, die am Fließband hergestellt werden und alle Landschaften, die man zu Millionen von der gleichen Stelle aus erleben und alle Posen, die man einnehmen kann, sind ähnlich, aber eben doch nicht gleich, sondern werden von jedem Einzelnen mit höchst individuellen Momenten der eigenen Lebenspraxis aufgeladen.
Susanne Wehr warnt nicht und sie will uns auch nicht zu irgendetwas verlocken. Sie zeigt einfach, was da ist – was es aber wohl im digitalen Zeitalter nicht mehr lange geben wird: Das analoge, tastbare, berührbare Foto im Fotoalbum oder gerahmt als treues Begleitmedium unserer Selbst-vergewisserung.

Christoph Tannert, GEHAG Forum, 2012